Am 10. März 2026 stellten der Stutenseer Reiner Dick und Mitautorin Susanne Kaiser-Asoronye ihr soeben erschienenes Buch „Terra preta – Pflanzenkohle, effektive Mikroorganismen und Co, für nachhaltige Landnutzung und Klimaschutz” vor. Bei dem Termin im Lindenhof beim Schloss Stutensee ließen es sich auch der Landrat des Landkreises Karlsruhe, Dr. Christoph Schnaudigel, und Stutensees Oberbürgermeisterin Petra Becker nicht nehmen, einige Grußworte zu sprechen und sich die Funktionsweise des Herstellungsprozesses von Terra preta zeigen zu lassen.
Terra preta, portugiesisch für schwarze Erde, wird auch Pflanzenkohle genannt und durch Pyrolyse aus pflanzlichen Materialien gewonnen, etwa Grünschnitt oder Holzresten. Sie wird bevorzugt zur Anreicherung von Böden oder Gartenerde verwendet, da sie die Erde nachweislich fruchtbarer macht und sich positiv auf Pflanzenwachstum und Ernteerträge auswirkt. Das besonders klimafreundliche dabei: Bei der Pyrolyse verbleibt fast der gesamte Kohlenstoff des Ausgangsprodukts in der Pflanzenkohle, womit das CO2, das bei Verbrennung oder Verrottung entstehen würde, langfristig in der Erde gebunden bleibt.
Neu ist das Wissen um den Naturdünger nicht: Terra preta „sorgte vor rund 500 Jahren im Amazonasgebiet für reiche Ernten“, wie in dem vom Heimatverein Kraichgau herausgegebenen Buch zu lesen ist. Und auch das Autorenduo setzt sich schon lang für die Verbreitung des Wissens um Herstellung und Einsatz der Pflanzenkohle ein. „Wir sehen auch in Natur und Umwelt ein Stück Heimat, das es aktiv zu bewahren gilt“, begründet Mitautorin Susanne Kaiser-Asoronye, Vorsitzende des Heimatvereins, ihr Engagement. Und Reiner Dick, ehemals Umweltbeauftragter der Stadt Stutensee, initiierte schon vor Jahren die Anschaffung eines Pyrolyseofens zu Testzwecken, der seitdem erfolgreich auf dem Lindenhof im Einsatz ist.
Auch der Landkreis Karlsruhe und die Umwelt-und Energieagenture Kreis Karlsruhe (UEA) sind in dem Werk mit einem eigenen Beitrag vertreten. Denn auch der Landkreis hat früh erkannt, dass Terra Preta ein interessantes Potenzial bietet – für nachhaltige Stoffkreisläufe, für die Landwirtschaft und vor allem für den Klimaschutz. Die Untersuchung der regionalen Potenziale wurde daher auch im aktuellen Klimaschutzkonzept verankert, das von der UEA erarbeitet und vom Kreistag 2022 beschlossen wurde. Die bisherigen Studienergebnisse zeigen: Im Landkreis Karlsruhe fallen jährlich erhebliche Mengen an geeigneten Reststoffen an – insbesondere holzige Grünabfälle. Und genau darin steckt das große Potenzial: Was bisher kaum beachtet wurde, kann durch moderne Pyrolysetechnik zu einem wertvollen Rohstoff werden – für Energie, fruchtbare Böden und eine bessere CO₂-Bilanz.
Besonders spannend: Aus regionalem Grünschnitt oder Holzresten entsteht so nicht nur ein Bodenverbesserer, der wiederum in der Landwirtschaft eingesetzt werden kann. Darüber hinaus fällt beim Pyrolyseprozess auch jede Menge Abwärme an, die sich etwa in Wärmenetze einspeisen lässt und damit die Wärmeerzeugung aus nichtfossilen Quellen unterstützt. So bleibt der Mehrwert in der Region – ökologisch wie wirtschaftlich.
















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