Photovoltaikanlagen auf Mehrfamilienhäusern bieten erhebliche Chancen, werden jedoch oft von organisatorischen und rechtlichen Hürden begleitet. Die Dächer solcher Gebäude sind in der Regel groß und der Strombedarf hoch. Das ermöglicht damit meistens eine wirtschaftliche Umsetzung einer PV-Installation. Gleichzeitig müssen in Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) viele Interessen und Meinungen zusammengeführt werden, was die Umsetzung anspruchsvoller macht. Die möglichen Betriebs- und Nutzungskonzepte sind vielfältig: Stromlieferung innerhalb des Hauses – etwa über Mieterstrommodelle, gemeinschaftliche Gebäudeversorgung oder das Einzählermodell – die Versorgung des Allgemeinstroms, die Errichtung von Einzelanlagen durch einzelne Eigentümer oder die Volleinspeisung. Jede Variante hat unterschiedliche Anforderungen und wirtschaftliche Effekte. Ein neues YouTube-Video zeigt jetzt, wie WEG der Ökosiedlung am Steinweg in Stutensee das Einzählermodell erfolgreich realisiert hat.
Die Siedlung wurde Ende der 1990er-Jahre in drei Bauabschnitten mit zwölf Hausreihen errichtet. Großzügige Südfensterflächen, kompakte Nordseiten und ein gemeinsames Nahwärmekonzept prägen das ökologisch ausgerichtete Gesamtkonzept. Die Hausreihen verfügen jeweils über eine zugehörige Parkgarage, wodurch die Wohnwege weitgehend autofrei bleiben und sicher genutzt werden können.
Die Entscheidung für eine gemeinschaftliche Photovoltaikanlage entstand im Zuge einer notwendigen Dachsanierung. Die Dachfolie der Flachdächer hatte nach rund 25 Jahren ihre Nutzungsende erreicht und musste erneuert werden. Die ohnehin erforderliche Gerüststellung sowie die PV-Pflicht in Baden-Württemberg boten eine günstige Gelegenheit, beide Maßnahmen zu kombinieren. Die Eigentümerversammlung sprach sich geschlossen für die Umsetzung aus und beschloss einstimmig sowohl die Installation als auch den Eigenbetrieb der Anlage. Die hierfür notwendige Sonderumlage wurde von allen Eigentümern fristgerecht geleistet.
Die Anlage umfasst 152 Module mit einer Leistung von 68 kWp. Sie ist in Ost-West-Ausrichtung mit jeweils 10 Grad Neigung installiert, was eine ausgewogenere Erzeugung über den Tag ermöglicht. Die technische Infrastruktur des Gebäudes bot günstige Voraussetzungen, da Kabelwege kurz waren und der Haustechnikraum gut erreichbar ist. Zusätzlich wird der Überschussstrom genutzt, um die benachbarte Parkgarage mit inzwischen vierzehn Elektrofahrzeugen zu versorgen. Auf einen Speicher wurde in der ersten Umsetzungsphase bewusst verzichtet.
Die WEG setzt auf ein Einzählermodell, bei dem ein virtueller Hauptzähler die Schnittstelle zum Strommarkt bildet und die einzelnen Haushalte über Smart Meter viertelstundenscharf abgerechnet werden. Das Modell erspart Grundgebühren für zahlreiche Einzelzähler und ermöglicht zugleich eine faire interne Verteilung. Alle Eigentümer erhalten ein identisches Solarkontingent, nicht genutzte Anteile können intern zu einem festen Verrechnungspreis weitergegeben werden.
Der vorbeugende Brandschutz sowie die baubegleitende Dokumentation wurden durch Mitglieder des Verwaltungsbeirats übernommen. Seit der Inbetriebnahme im Oktober 2024 wird die Erzeugung kontinuierlich über eine App überwacht. Die Jahresstromproduktion liegt bei 66 Megawattstunden. Fachliche Unterstützung erhielt die Gemeinschaft durch die Umwelt- und Energieagentur Kreis Karlsruhe (UEA), die Energieagentur Regio Freiburg sowie die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie.
Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf etwa 110.000 Euro. Unter konservativen Annahmen wird die Amortisation auf acht bis zwölf Jahre geschätzt, mit Tendenz zur Verkürzung durch zunehmende Nutzung von Überschussstrom, insbesondere für Elektromobilität. Die Erfahrungen der WEG zeigen, dass ein strukturiertes Vorgehen, transparente Kommunikation und technisches Know-how innerhalb der Gemeinschaft entscheidende Erfolgsfaktoren sind.
Wer sich im Landkreis Karlsruhe ebenfalls für eine PV-Anlage auf dem eigenen Dach interessiert, erhält fachliche Unterstützung bei der UEA unter https://zeozweifrei.de/photovoltaik/.








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