- Projektkosten: ca. 1,9 Mio. €
- Förderung: 70 % – entspricht 1.319.104 €
- Projektlaufzeit: 4 Jahre bis Februar 2030
- Bauherr: Landratsamt Karlsruhe
- Projektpartner:
Modellprojekt Ludwig Guttmann Schule Karlsbad
Regenerative Energieversorgung für die LGS Karlsbad
Innovativ und nachhaltig in die Zukunft
Ludwig Guttmann Schule (LGS)
Die LGS in Karlsbad-Langensteinbach ist als Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit ihren Räumlichkeiten auf den Förderschwerpunkt der körperlichen und motorischen Entwicklung angepasst. Neben den Aufenthalts- und Lernräumen ist sie mit ihren 7.000 m² Nutzfläche auch mit einer Turnhalle und einem Therapiebad ausgestattet. Die besondere Vulnerabilität der 120 Kinder und Jugendlichen erfordert ganzjährig eine stabile homogene Raumtemperatur von 25 °C, was in Anbetracht der immer heißeren Sommer eine Kühlung/Klimatisierung voraussetzt. Das Therapiebad muss stets eine Temperatur von 34 °C aufweisen. Diesen hoch energieintensiven Betrieb kosteneffizient und nachhaltig umzustellen, ist eine enorme Herausforderung, der sich die Verantwortlichen stellen.
Zusammenfassung
Die erfolgreiche Teilnahme des Landkreises Karlsruhe beim Fördermittelwettbewerb „Investive kommunale Klimaschutz-Modellprojekte“ des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) ermöglicht die Umstellung der Energieinfrastruktur der LGS Karlsbad auf ein zukunftsfähiges, innovatives und klimaneutrales Energiesystem mit 70 % Förderquote. Unterstütz und begleitet wird das Modellprojekt durch die Umwelt- und Energieagentur Kreis Karlsruhe und weiteren lokalen Akteuren. Das geplante, auf Wärmepumpen und einer Photovoltaikanlage basierte Energiesystem vermeidet zukünftig jährlich nicht nur 300 Tonnen CO2, sondern sieht gleichzeitig eine noch nicht vorhandene Klimatisierung der Räumlichkeiten im Sommer vor. Dabei spart die zu 95 % erneuerbare Energieversorgung jährlich rund 1 Million Kilowattstunden Energie in der Wärmeerzeugung, was neben einer enormen Betriebskosteneinsparung auch eine strategische Energiesouveränität für das Landratsamt bedeutet. Dementsprechend ist eine Belieferung und Verbrennung von fossilen Energieträgern vor Ort überflüssig, wodurch auch keine gesundheitsschädlichen Abgase entstehen.

Technisches Konzept
Zentrale Elemente des neuen Energiesystems sind für das Heizen im Winter die fünf Luft-Wasser-Wärmepumpen (LW-WP), eine Sole-Wasser-Wärmepumpe (SL-WP), sowie ein Warmwasserspeicher. Die LW-WPs mit einer Wärmeleistung von je 25 kW nutzen die Fortluft aus den Klassenzimmern (Gebäudeteilen (a) bis (g)) über eine sogenannte „Primäre Vorwärmstufe“. Dabei erhöht die warme Fortluft direkt die „Primär Ein-Temperatur“ der direktverdampfenden Luft-Wasser-Wärmepumpen. Somit saugen die Luft-Wasser-Wärmepumpen eine energetisch höhere Lufttemperatur im Gegensatz zur gebräuchlichen Außenluft an. Diese Besonderheit führt gerade in den Wintermonaten zu erheblichen Effizienz- und Leistungssteigerungen des Luft-Wasser-Wärmepumpen-Betriebs. So ist die im Winter noch warme Fortluft für die Wärmepumpen nutzbar – ganz ohne Anpassung der bestehenden Lüftungsanlage. In der Praxis kommt diese sogenannte „Primäre Vorwärmstufe“ bisher kaum zum Einsatz, was die Modellhaftigkeit und den Innovationscharakter dieses Energiekonzeptes hervorhebt.
Mit einer Wärmeleistung von 200 kW ist die Sole-Wasser-Wärmepumpe im neuen Energiesystem die leistungsstärkste Wärmepumpe. Als Quelle dienen 15 ca. 210 Meter ins Erdreich hineinragende Erdsonden, so wird ein Großteil der Wärme fürs Heizen im Winter bereitgestellt.
Das von den insgesamt sechs Wärmepumpen erzeugte warme Heizungswasser wird in einem zentralen 60.000 Liter (60 m³) großen Warmwasserspeicher zwischengespeichert. Im Heizbetrieb fließt das warme Wasser aus dem Warmwasserspeicher durch die mit den Konvektoren (Heizkörpern) parallelgeschaltete Fußbodenheizung. Um warmes Heizwasser erzeugen zu können, benötigen die Wärmepumpe neben den beschriebenen kostenlosen Ab- und Umweltwärmequellen Strom, den tagsüber eine ca. 800 kWp leistungsstarke Dach-Photovoltaik-Anlage klimaneutral liefert.
Für die immer heißeren Sommermonate ist eine Kühlung der Innenräume zwingend erforderlich, um dem Hitzestress der Kinder und Jugendlichen entgegenzuwirken. Zur Kühlung lässt sich die bestehende Infrastruktur nutzen. Als zusätzliche Komponente ist lediglich ein Kaltwasserspeicher mit einem Fassungsvermögen von 30.000 Litern (30 m³) notwendig, der im Sommer das für die Kühlung benötigte kalte Wasser zwischenspeichert. Über die vorhandene Fußbodenheizung werden die Räume mit dem kalten Wasser aktiv gekühlt – ohne Unterschreiten des Taupunkts.
Das technische System ermöglicht grundsätzlich zwei verschiedene Kühlmöglichkeiten: das sogenannte „natürliche Kühlen“ und das „aktive Kühlen“. Beim „natürlichen Kühlen“, das den „Normalkühlbetrieb“ darstellt, ist die Sole-Wasser-Wärmepumpe (SW-WP) ausgeschaltet. Es wird lediglich die Kälte aus den Erdsonden genutzt. Dabei fördert die Umwälzpumpe aus dem Primärsolekreis kühles Solewasser aus den Erdsonden über einen Wärmeübertrager, wodurch der Kaltwasserspeicher heruntergekühlt bzw. „mit Kälte beladen“ wird. Über die Fußbodenheizung werden die Räume gekühlt. Das von den gekühlten Räumen erwärmte und von dem Kaltwasserspeicher verdrängte wärmere Wasser gibt wiederum die Wärme über den Wärmeübertrager an den Primärsolekreis ab. Somit dient im Sommer die Wärme aus den Räumen der thermischen Regeneration desErdreichs, sodass im nächsten Winter dem Erdreich wieder ausreichend Wärme zum Heizen entzogen werden kann.
Reicht die direkte „natürliche Kühlung“ über die Erdsonden nicht mehr aus, greift mit dem „Sole-Wasser-Wärmepumpe-Kühlbetrieb“ das „aktive Kühlung“ mit eingeschalteter SW-WP. Dabei entzieht die SW-WP dem Kaltwasserspeicher aktiv Wärme, indem sie diesen anstelle der Erdsonden als Primärquelle nutzt. Über den heruntergekühlten Kaltwasserspeicher erfolgt wiederum die zielgerichtete Kühlung der einzelnen Räume. Die beim „aktiven Kühlen“ durch die SW-WP sekundärseitig entstehende Wärme wird dem Warmwasserspeicher zugeführt. Aus dem Warmwasserspeicher wird wiederum im Sommer das Therapiebad geheizt – allein mit der Abwärme aus dem Kühlprozess. Ist der Warmwasserspeicher im Sommer vollständig geladen, gibt ein Tischrückkühler die Kühlprozess-Abwärme der SW-WP an die Umwelt ab. Die von der Sole-Wasser-Wärmepumpe zur Kühlung benötigte elektrische Energie wird im Sommer vollständig durch die vorgesehene Photovoltaik-Dachanlage abgedeckt. Somit ist klimaneutrales Kühlen und Heizen im Sommer zum Nulltarif möglich.

Intelligente Nutzung der Wärmeinfrastruktur
Die Wärmeverteilung erfolgt über eine vorhandene 6.500 m² große Fußbodenflächenheizung und über die in den Räumen installierten Konvektoren (Wandheizkörper, die Konvektionswärme nutzen). Zur Effizienzsteigerung wird die Fußbodenheizung mit den Konvektoren parallel geschaltet. Deren gleichzeitige Nutzung zur Wärmeverteilung vergrößert die Gesamtfläche zur Wärmeübertragung und ermöglicht dadurch eine Reduzierung der Vorlauftemperatur des Heizwassers, was ein erhebliches Energieeinsparpotential birgt.

Absenkung der Vorlauftemperatur
Die wohl kosteneffizienteste und am einfachsten umzusetzende Maßnahme ist die Absenkung der Vorlauftemperatur von ca. 63 °C auf höchstens 55 °C für alle Verbraucher, womit sich ca. 15 % bis 20 % der Endenergie einsparen lassen. Lediglich das Duschwasser für Therapiebad und Turnhalle gilt es zur Legionellen-Vermeidung auf einer Temperatur von 63 °C zu halten, wobei die dezentralen Pufferspeicher mit 400 Litern Fassungsvermögen vergleichsweise klein sind.

Dezentrale Wärmeerzeugung des Duschwassers von Schwimm- und Therapiebad
Für die Duschen von Therapiebad und Turnhalle ist je eine dezentrale Luft-Wasser-Wärmepumpe (Brauchwasserwärmepumpe) mit einer Wärmeleistung von ca. 11 kW vorgesehen, die je einen lokalen Warmwasserspeicher mit einem Fassungsvermögen von ca. 400 Liter mit Wärme beladen. Das nahezu klimaneutrale Kältemittel Propan, in Fachkreisen unter R290 bekannt, ermöglicht eine Beladungstemperatur von über 60 °C und somit die Einhaltung der vorgeschriebenen Trinkwasserhygiene.
Die Entkopplung der Warmwasserbereitstellung für das Duschwasser von Therapiebad und Sporthalle von der zentralen Wärmeverteilung ermöglicht eine zielgerichtete und bedarfsgerechte Wärmenutzung. Im Sommer gilt es lediglich je 400 Liter Duschwasser bereitzustellen, anstatt wie bisher ein vielfaches Volumen über den Hauptspeicher vorzuhalten. Eine gleichzeitig zukünftig reduzierte Rohrlänge führt nebenbei zu wesentlich geringeren Wärmeverlusten.

Hydraulischer Umbau und Demontage des Trennwärmetauschers
Im neuen Wärmepumpen-basierten Energieversorgungssystem ist es möglich, auf gewisse Komponenten des alten fossilen Systems zu verzichten. Zur Effizienzsteigerung ist neben dem hydraulischen Umbau des Heizraumes auch die Demontage des Trennwärmetauschers vorgesehen, der noch zwischen Gasbrennwertkessel und Wärmeverteilung installiert ist. Allein diese Maßnahme bewirkt eine Energieeffizienzsteigerung von ca. 3 %.

Intelligente Regelung und Steuerbarkeit
Eine intelligente Regelung der Wärmepumpen gewährleistet die höchstmögliche Nutzung des vor Ort erzeugten Solarstroms, wobei die Pufferspeicher bevorzugt dann beladen werden, wenn überschüssiger Photovoltaik-Strom vorhanden ist. Eine damit erreichbare 100-prozentige Solarstrom-Kühlung im Sommer ist in ihrer Effizienz nicht zu überbieten.

Redundanz
Damit das Energieerzeugungssystem resilient gegenüber Ausfall- und Wartungszeiten ist, bedarf es ausreichender Redundanzen. Gerade durch den dezentralen Aufbau der Wärmeerzeugung mit insgesamt sechs Wärmepumpen, die den großen Warmwasserspeicher beladen und nur bei Außentemperaturen von -10 °C mit Volllast laufen, ist das konzipierte Wärmeerzeugungssystem in sich redundant. Fällt eine Wärmepumpe aus, weisen die anderen Wärmepumpen genügend Leistungsreserven auf, um diesen Ausfall zu kompensieren. Dementsprechend ist keine fossile Redundanz notwendig. Für den äußersten Notfall sind außen am Gebäude bereits Anschlussstutzen für die Beladung des Warmwasserspeichers über ein Hotmobil vorhanden, das Warmwasser von externer Quelle liefert.
Photovoltaik-Anlage: Sonnenstrom aus Bürgerhand

- Vorrangige Stromnutzung für Wärmepumpen
- Nachfolgend für Gebäudestromversorgung und Einspeisung ins Stromnetz
- Zukünftige Versorgung der Ladeinfrastruktur für E-Busse
Die BürgerEnergiegenossenschaft Kraichgau (BEG Kraichgau) wird auf den verfügbaren geeigneten Dachflächen der LGS in zwei Ausbauschritten
insgesamt eine ca. 800 kWp-Photovoltaikanlage errichten und betreiben. Der hier erzeugte Strom dient vorrangig der Stromversorgung der Wärmepumpen und nachgelagert der restlichen Gebäudestromversorgung. Dabei ist das neue Energiesystem durch intelligente Regelung auf den Eigenverbrauch des Photovoltaik-Stroms optimiert. Überschüssiger Strom wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Mittelfristig plant der Landkreis, eine Ladeinfrastruktur für E-Transporter aufzubauen. Die Kinder und Jugendlichen werden täglich mit ca. 40 Bussen gebracht und wieder abgeholt. Diese Ladeinfrastruktur benötigt große Mengen an Strom, auch dieser Strombedarf wäre Dank des Vollausbaus teilweise gedeckt.
Meilensteine
Fördermittel
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz fördert das Projekt „Regenerative Energieversorgung für die LGS Karlsbad“ im Rahmen der „Nationalen Klimaschutzinitiative“ mit rund 1.300.000 EUR – dies entspricht 70 % des gesamten Investitionsvolumens für das Projekt der Ludwig Guttmann Schule.


























